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Fundstücke

Fundstück 29: Inventar der Migrationsbegriffe

Das Inventar der Migrationsbegriffe stellt Schlüsselbegriffe aus den aktuellen Debatten über Migration vor und diskutiert, wie diese historisch geworden sind, wie sie in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen verwendet werden und wie sich ihre Bedeutung über die Zeit verändert. Das Inventar verfolgt drei Ziele: Erstens leistet es einen Beitrag zu mehr sprachlicher Sensibilität in den aktuellen Auseinandersetzungen über Migration. Zweitens gibt es einen Einblick in gesellschaftliche Selbstverständigungsprozesse, indem es die Begriffe untersucht, mit denen über Mobilität und Diversität diskutiert und gestritten wird. Drittens möchte das Inventar die Leser:innen dazu motivieren, sich informiert und reflektierend in Diskussionen über Migration einzumischen.

Das Inventar ist eine stetig wachsende Online-Plattform, die regelmäßig um neue Begriffe ergänzt wird. Das Inventar bietet so langfristig ein umfangreiches Reservoir an Begriffsanalysen, die einen vertieften Einblick in die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit Migration erlauben. Es kann hier eingesehen werden: https://www.migrationsbegriffe.de

Fundstück Nr. 28: Essaysammlung "Migrantische Perspektiven auf Gesundheit und Gesundheitsversorgung in Deutschland"

Mehr als ein Viertel der in Deutschland lebenden Menschen hat eine Migrationserfahrung und ist im Gesundheitswesen als Patient:in, Angehörige oder Fachkraft präsent. Diese Essaysammlung von Juni 2026 vereint vielfältige Perspektiven von denjenigen, die versorgen und versorgt werden. Sie zeigt auf, wie Menschen sich in einem System bewegen, dessen Regeln, Routinen und Begriffe mitunter große Abweichungen zu ihren vertrauten Systemen aufweisen. Es geht um Erwartungen und Kommunikation, strukturelle Barrieren und Zuschreibungen und wie sich diese auf Zugänge zur Gesundheitsversorgung auswirken.

Hier kann das Buch kostenfrei heruntergeladen werden: https://beltz.de/fachmedien/sozialpaedagogik-soziale-arbeit/mehr-als-ein-viertel/BEL449728

 

Fundstück Nr. 27: Lena Gorelik „Wer wir sind“

„Wir“, das sind sie, Lena und ihre Familie, insbesondere die Eltern. Es ist ihre Geschichte, die Geschichte von dem kleinen Mädchen, das Anfang der 90er-Jahre aus Russland nach Deutschland kommt, mit den Eltern und neun Koffern, aber ohne die Großeltern, die weiteren Verwandten und ohne den Hund. Sie leben zunächst in einem Übergangswohnheim am Rande einer süddeutschen Großstadt – jüdisch, russisch, voller Erwartungen und etwas bange. Der Start fällt erwartungsgemäß nicht leicht: Das Kind ist zu klug für seine Mitschüler*innen, die Locken zu schwarz und ihr Zuhause nicht geeignet für Besuch. Wesentlich weniger ist schon genug, um ausgeschlossen zu werden. Jüdisch zu sein, das war schon in Russland ein Grund für Ausgrenzung, beruflich für die Eltern, beim Spielen für Lena.

Aber über dem allem, über der Geschichte der Migration, des Jüdischseins, der Kindheit im Übergangswohnheim liegen die Dinge, die auch für alle anderen Kinder bedeutsam sind, wo immer sie herkommen oder groß werden: das Sozialgefüge in der Peer Group, die Anerkennung der Gleichaltrigen – und das Entwachsen aus dem Elternhaus, das Sich-Entfernen von den Eltern, das schmerzlich abnehmende gegenseitige Verständnis.

Lena Gorelik teilt mit den Leser*innen ihre persönliche Geschichte des Abschieds und des Neuanfangs und erzählt dabei in einer sehr poetischen Sprache auch eine politische Geschichte der Migration. Lena Gorelik schreibt auf Deutsch – der Sprache, die sie als Zehnjährige gelernt hat. Und sie ist unseres Wissens die Erste, die den Gender Stern in die Belletristik eingeführt hat. „Irgendwer muss ja mal damit anfangen!“, sagt sie.

 

L.Gorelik Wer wir sind

RKI-Studie: COVID-19-Impfquotenmonitoring

Die am 3. Februar 2022 veröffentlichte Studie des Robert-Koch-Instituts19px VisualEditor Icon External link formatiert beantwortet zwei aktuelle Fragen über das Impfverhalten in der Corona-Pandemie:

Bestehen Unterschiede in Impfverhalten und -intention zwischen Menschen mit und ohne
Migrationsgeschichte?

Ergebnis:

  • Personen ohne Migrationsgeschichte haben eine etwas höhere Impfquote als Personen mit
    Migrationsgeschichte.
  • Die Impfbereitschaft unter den aktuell noch Ungeimpften ist bei Personen mit
    Migrationsgeschichte höher.

Wie können die unterschiedlichen Impfquoten erklärt werden?

Ergebnis:

  • Sozioökonomische Merkmale (Bildung und Einkommen) und das Alter können zum Teil die
    geringere Impfquote unter den Menschen mit Migrationsgeschichte erklären.
  • Diskriminierungserfahrungen im Gesundheits- und Pflegebereich tragen zu einem kleinen Teil
    weiter zur Erklärung des Unterschieds bei.
  • Sprachbarrieren können einen Großteil der Impfquotenunterschiede zwischen Personen mit und ohne Migrationsgeschichte erklären.

Aus unserer Sicht gibt es somit gute Ansatzpunkte, die Impfquoten bei Menschen mit Migrationsgeschichte durch die gezielte Nutzung von bestehenden mehrsprachigen Informationsmaterialien zu erhöhen.

Nützliche mehrsprachige Informationen finden Sie z.B. unter folgenden Webadressen:

www.zusammengegencorona.de19px VisualEditor Icon External link formatiert
www.integrationsbeauftragte.de/ib-de/staatsministerin/corona19px VisualEditor Icon External link formatiert
www.deutschlandstiftung.net/projekte/corona-stoppen19px VisualEditor Icon External link formatiert
handbookgermany.de/de/live/coronavirus.html19px VisualEditor Icon External link formatiert